19.12.2023

Studie: Langfristig negative Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf das Wohlbefinden von Jugendlichen

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Junge Menschen haben besonders unter der COVID-19-Pandemie gelitten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Bildungsforschers Martin Neugebauer (Freie Universität Berlin), die er gemeinsam mit Alexander Patzina (Universität Bamberg), Hans Dietrich (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) und Malte Sandner (TH Nürnberg) durchgeführt hat und die jetzt in der Fachzeitschrift „European Sociological Review“ erschienen ist. Untersucht wurden die Auswirkungen der Pandemie auf die Lebenszufriedenheit von Abiturientinnen und Abiturienten zwischen dem Ausbruch der Pandemie Anfang 2020 und Anfang 2022.

Identitätsentwicklung, erste Liebe, Suche nach dem eigenen Lebensweg: Die Lebensphase zwischen 16 und 19 Jahren ist auch unter „normalen“ Bedingungen spannend und herausfordernd. In dieser Phase stellten die Jahre 2020 und 2021 eine außerordentliche zusätzliche Belastung dar, die durch wiederholte Quarantäne, soziale Isolation und die Unterbrechung schulischer und außerschulischer Aktivitäten gekennzeichnet war. Entsprechend groß waren die Befürchtungen, dass die COVID-19-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen und Sorgen das Leben von Jugendlichen und jungen Erwachsenen nachhaltig negativ beeinflusst haben könnten. Bisherige Studien beschränkten sich jedoch häufig auf die Auswirkungen der ersten Pandemiewelle, so dass längerfristige Effekte nicht beobachtet werden konnten. Zudem fehlte den meisten Studien eine Vergleichsgruppe, um abschätzen zu können, wie sich die Lebenszufriedenheit ohne Pandemie entwickelt hätte. „Wir haben diese Lücken geschlossen, indem wir die Entwicklung der Lebenszufriedenheit von Jugendlichen über zwei Pandemiejahre mit der Entwicklung von Jugendlichen in der gleichen Entwicklungsphase, aber ohne Pandemie, verglichen haben“, erklärt Prof. Dr. Martin Neugebauer.

Die Daten der „Corona“-Kohorte stammen aus einer Panelstudie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), in der 2698 Abiturientinnen und Abiturienten vor dem Ausbruch der Pandemie im Herbst 2019 und zwei Jahre danach (Winter 2020/2021 und Winter 2021/2022) wiederholt befragt wurden. Die Daten der präpandemischen Kohorten stammen von 4834 Jugendlichen aus dem Nationalen Bildungspanel und umfassen Abiturientinnen und Abiturienten der Jahre 2014 und 2018.

Die Ergebnisse der Studie „Two pandemic years greatly reduced young people’s life satisfaction: Evidence from a comparison with pre-Covid-19- panel data” zeigen einen signifikanten Rückgang der Lebenszufriedenheit um rund 0,8 Skalenpunkte auf der Lebenszufriedenheitsskala (entspricht einer Effektstärke von d = 0,4), der auch zwei Jahre nach Beginn der Pandemie noch anhielt. Der Rückgang war etwa dreimal so stark wie in der Gesamtbevölkerung, in der der Rückgang nur etwa 0,24 Skalenpunkte betrug. „Ein derart starker Rückgang der Lebenszufriedenheit ist außergewöhnlich. Ein vergleichbarer Einbruch der Lebenszufriedenheit ist nur bei wenigen anderen einschneidenden Lebensereignissen wie Arbeitslosigkeit oder dem Tod des Ehepartners zu beobachten“, sagt Martin Neugebauer.

Die Studie zeigt nicht nur die Folgen der Pandemie auf, sondern beleuchtet auch, welche Hygiene- und Abstandsregeln als besonders belastend empfunden wurden. Im Winter 2021/22 fühlten sich 54 % der damals 18- bis 19-Jährigen durch Reisebeschränkungen stark oder sehr stark belastet. Zu den besonders belastenden Maßnahmen gehörten auch Besuchsverbote von Festivals und kulturellen Veranstaltungen (47%) sowie die Schließung von Bars und Clubs (44%). Als weniger belastend empfanden die Befragten hingegen das Tragen von Masken, die Schließung von Schulen und Universitäten oder das Verbot von Sportveranstaltungen. Nur etwa ein Drittel aller Befragten fühlte sich dadurch stark oder sehr stark belastet. „An die Masken hatten sich viele gewöhnt, nicht aber an die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und des sozialen Austauschs“, so Neugebauer.

Die Studienergebnisse sind entscheidend für zukünftige politische Entscheidungen und die Gestaltung von Maßnahmen in ähnlichen Stresssituationen, betonen die Studienautoren. Eine offene Frage ist, ob sich die Situation der jungen Erwachsenen verbessert hat, nachdem die Pandemie abgeklungen und die Maßnahmen ausgelaufen sind. „Da sind wir gerade dabei, Licht ins Dunkel zu bringen“, sagt Martin Neugebauer.

 

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